Niemand fährt auf die Rennstrecke mit der Absicht zu stürzen. Aber es passiert. Wer regelmäßig am Limit fährt, wird früher oder später Bekanntschaft mit dem Asphalt machen. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man sich vor, während und nach einem Sturz verhält.
Bevor es passiert: Richtig vorbereitet sein
Die beste Sturzvorbereitung beginnt schon vor dem Trackday:
Schutzausrüstung: Eine gute Lederkombi mit CE-zertifizierten Protektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Hüften. Rückenprotektor nicht vergessen. Rennstiefel, Handschuhe und ein hochwertiger Helm. Die Ausrüstung kann den Unterschied machen zwischen einem blauen Fleck und einem Krankenhausaufenthalt.
Motorrad-Vorbereitung: Sturzpads, Sturzbügel und eine Rennverkleidung reduzieren die Schäden am Motorrad erheblich. Der Kettenschutz sollte so gestaltet sein, dass die Kette bei einem Sturz nicht ins Hinterrad geraten kann.
Mental vorbereitet sein: Akzeptiert, dass ein Sturz passieren kann. Wer verkrampft aus Angst vor dem Sturz fährt, macht Fehler, die zum Sturz führen. Paradox, aber wahr.
Pro-Tipp: Fahrt die ersten Runden jedes Trackdays defensiv. Lernt die Strecke, das Gripniveau und die anderen Fahrer kennen, bevor ihr ans Limit geht. Die meisten Stürze passieren, wenn man zu früh zu schnell fährt.
Während des Sturzes: Was tun?
Die ehrliche Antwort: Es passiert zu schnell, um viel zu tun. Aber ein paar Dinge sind wichtig:
Loslassen: Der Instinkt sagt, sich am Motorrad festzuklammern. Das ist falsch. Lasst das Motorrad los, sobald der Sturz unvermeidlich ist. Zwischen Fahrer und rutschendem Motorrad will niemand eingeklemmt werden.
Entspannen: So gut es geht. Ein entspannter Körper nimmt weniger Schaden als ein verkrampfter. Leichter gesagt als getan, aber man kann es sich zumindest bewusst machen.
Arme und Beine anziehen: Nicht abstützen! Der Reflex, sich mit den Händen abzufangen, führt zu gebrochenen Handgelenken. Arme an den Körper, Kopf einziehen, rollen statt rutschen wenn möglich.
Nicht sofort aufstehen: Nach dem Sturz liegen bleiben, bis das Motorrad und alle anderen Fahrzeuge vorbei sind. Dann erst umschauen und aufstehen. Im Eifer des Gefechts aufzuspringen kann gefährlicher sein als der Sturz selbst.
Nach dem Sturz: Die ersten Minuten
Wenn der Staub sich gelegt hat:
Selbstcheck: Zuerst sich selbst überprüfen. Kannst du dich bewegen? Tut etwas ungewöhnlich weh? Im Adrenalinrausch merkt man Verletzungen oft nicht sofort. Nimm dir Zeit.
Streckenposten folgen: Die Streckenposten wissen, was zu tun ist. Folge ihren Anweisungen. Sie bringen dich sicher von der Strecke.
Motorrad sichern: Erst wenn du sicher bist, dass du unverletzt bist, kümmere dich um das Motorrad. Ist es fahrbereit? Läuft Flüssigkeit aus? Kann es sicher von der Strecke gebracht werden?
Pause machen: Auch wenn du denkst, es geht dir gut: Mach eine Pause. Der Schock kommt oft verzögert. Trink etwas, setz dich hin, lass den Adrenalinspiegel sinken.
Die Psychologie nach dem Sturz
Ein Sturz kann psychisch mehr mitnehmen als physisch. Viele Fahrer kämpfen danach mit der Angst, wieder auf die Strecke zu gehen. Das ist völlig normal.
Analyse: Was ist passiert? Warum ist es passiert? Eine ehrliche Analyse hilft, aus dem Fehler zu lernen und zu verhindern, dass es wieder passiert.
Langsam wieder anfangen: Beim nächsten Mal langsamer anfangen. Sich wieder herantasten. Niemand erwartet, dass du sofort wieder am Limit fährst.
Darüber reden: Mit anderen Fahrern reden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Fast jeder hat schon mal gelegen. Es hilft zu wissen, dass man nicht alleine ist.
Professionelle Hilfe: Wenn die Angst übermächtig wird oder der Spaß am Fahren verloren geht, scheut euch nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Das ist keine Schwäche.
Pro-Tipp: Nach einem Sturz ohne Verletzungen solltet ihr noch am selben Tag wieder fahren, wenn das Motorrad es zulässt. Je länger ihr wartet, desto größer wird die mentale Hürde. Natürlich nur, wenn ihr euch wirklich fit fühlt.
Das Motorrad nach dem Sturz
Bevor ihr wieder fahrt, muss das Motorrad gecheckt werden:
Sichtprüfung: Sind Lenker, Hebel, Fußrasten gerade? Ist die Verkleidung intakt? Läuft Öl oder Kühlflüssigkeit aus?
Räder und Reifen: Sind die Felgen noch gerade? Sind die Reifen unbeschädigt?
Lenkung: Lässt sich der Lenker frei bewegen? Gibt es ein Spiel in der Lenkung, das vorher nicht da war?
Bremsen: Funktionieren Vorder- und Hinterradbremse einwandfrei?
Proberunde: Die erste Runde nach dem Sturz langsam fahren und alles testen. Bei Auffälligkeiten sofort zurück in die Box.
Wenn es ernster ist
Bei Verletzungen oder wenn ihr euch unwohl fühlt:
Nicht heldenhaft sein: Wenn etwas weh tut, hört auf zu fahren. Ein angebrochener Knochen, der ignoriert wird, kann zu einer Karriere-beendenden Verletzung werden.
Ärztliche Untersuchung: Nach jedem härteren Sturz zum Arzt, auch wenn ihr euch gut fühlt. Innere Verletzungen oder Gehirnerschütterungen sind nicht immer sofort spürbar.
Versicherung: Habt ihr eine Versicherung, die Rennstreckenunfälle abdeckt? Die normale Krankenversicherung tut das oft nicht. Informiert euch vorher.
Siehe auch:
- Regeln – Die Regeln auf der Rennstrecke
- Flaggen – Was die Flaggen bedeuten
- Schräglage – Die Angst vor der Schräglage überwinden