Mon, 15 Jan. 2024 Thomas Bendler ~ 5 min to read

Die Rennstrecke ist ein teures Hobby, da gibt es nichts zu beschönigen. Aber wie teuer genau? Diese Frage höre ich oft von Leuten, die mit dem Gedanken spielen, ihr Motorrad mal auf die Rennstrecke zu bringen. Die ehrliche Antwort lautet: Es kann so teuer werden wie man es zulässt. Man kann mit überschaubarem Budget einsteigen, aber auch ohne Weiteres fünfstellige Beträge pro Saison versenken. Hier ein realistischer Überblick.

Einmalige Kosten zum Einstieg

Bevor man überhaupt auf die Strecke kann, braucht man ein paar Dinge:

Motorrad: Das Wichtigste zuerst. Für die Rennstrecke braucht man kein Superbike. Eine gebrauchte Supersport-Maschine der 600er-Klasse aus den frühen 2000ern bekommt man ab etwa 3.000-5.000 Euro. Damit kann man wunderbar anfangen und eine Menge lernen, bevor man mehr Leistung braucht.

Lederkombi: Eine einteilige Lederkombi ist auf den meisten Rennstrecken Pflicht. Gebraucht ab etwa 200-300 Euro, neu ab 500 Euro aufwärts. Wer es bequem und sicher will, landet schnell bei 1.000-2.000 Euro.

Stiefel: Rennstiefel mit Schienbeinschutz und Zehenschleifer. Ab 150 Euro gebraucht, neu 200-400 Euro für ordentliche Qualität.

Handschuhe: Rennhandschuhe mit Protektoren. Ab 80 Euro für brauchbare Exemplare.

Helm: Ein guter Helm ist lebenswichtig. Ab 200 Euro für ECE-geprüfte Modelle, nach oben offen. Für die Rennstrecke empfiehlt sich ein Helm mit Doppel-D-Verschluss.

Rückenprotektor: Wenn nicht in der Kombi integriert, separat ab 80 Euro.

Summe Erstausstattung: Realistisch sollte man für Motorrad und Ausrüstung mit etwa 5.000-8.000 Euro rechnen, wenn man gebraucht kauft. Wer alles neu will, landet schnell bei 10.000-15.000 Euro.

Pro-Tipp: Kauft die Schutzausrüstung neu, das Motorrad darf gebraucht sein. Bei der Ausrüstung wisst ihr nicht, was sie schon mitgemacht hat. Ein Helm, der schon mal auf den Boden gefallen ist, schützt nicht mehr richtig.

Laufende Kosten pro Trackday

Ein typischer Trackday kostet:

Streckenmietung/Teilnahmegebühr: 100-250 Euro pro Tag, je nach Strecke und Veranstalter. Kleine Strecken wie Groß-Dölln sind günstiger, große Strecken wie der Nürburgring oder Spa teurer.

Anreise: Je nach Entfernung. Benzin für Motorrad und Transporter/Anhänger, eventuell Maut. Rechnet mit 50-150 Euro je nach Strecke.

Unterkunft: Wenn die Strecke weiter weg ist, kommen Hotel oder Camping dazu. 50-100 Euro pro Nacht im günstigen Hotel, Camping deutlich weniger.

Reifen: Der größte laufende Kostenfaktor. Ein Satz Sportreifen hält etwa 2-4 Trackdays, je nach Fahrweise. Kosten pro Satz: 200-400 Euro. Slicks halten länger, kosten aber auch mehr.

Benzin: Ein Tag auf der Rennstrecke verbraucht 30-50 Liter, je nach Motorrad und Fahrweise. Also etwa 50-80 Euro pro Tag.

Verschleiß: Bremsbeläge, Bremsflüssigkeit, Öl, Kette. Schwer zu beziffern, aber man sollte mit etwa 50-100 Euro pro Tag für Verschleiß rechnen.

Summe pro Trackday: Realistisch landet man bei etwa 300-500 Euro pro Tag all inclusive.

Jährliche Kosten bei regelmäßigem Fahren

Wer etwa 10 Trackdays pro Jahr fährt, kommt auf:

  • Trackdays: 3.000-5.000 Euro
  • Reifen (ca. 3 Sätze): 600-1.200 Euro
  • Wartung und Verschleiß: 500-1.000 Euro
  • Eventuelle Reparaturen nach Sturz: 0-X Euro (hoffentlich 0)

Gesamtkosten pro Saison: Etwa 4.000-7.000 Euro für einen ambitionierten Hobbyfahrer.

Was man sparen kann

Es gibt einige Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren:

Fahrgemeinschaften: Anreise mit mehreren teilen spart erheblich.

Camping statt Hotel: Viele Strecken haben Campingmöglichkeiten direkt an der Strecke.

Reifen clever kaufen: Vorjahresreifen oder B-Ware sind deutlich günstiger und für Hobbyfahrer völlig ausreichend.

Selbst schrauben: Wer Ölwechsel, Bremsbeläge und Kette selbst macht, spart die Werkstattkosten.

Gebrauchte Teile: Sturzbügel, Rennverkleidung und anderes Zubehör gibt es gebraucht deutlich günstiger.

Versteckte Kosten

Ein paar Dinge vergisst man gerne:

Transport: Ein Anhänger oder Transporter muss finanziert werden. Anhängermiete etwa 50-80 Euro pro Tag, Kauf ab 1.000 Euro für einen gebrauchten Motorradanhänger.

Werkzeug: Gutes Werkzeug kostet Geld, aber ohne kommt man nicht weit.

Sturzschäden: Ein Sturz kann schnell teuer werden. Verkleidung, Lenker, Fußrasten, im schlimmsten Fall Gabelholme oder Rahmen.

Suchtfaktor: Das Gefährlichste sind die steigenden Ansprüche. Nach ein paar Trackdays will man bessere Reifen, ein besseres Fahrwerk, mehr Leistung…

Pro-Tipp: Setzt euch ein Jahresbudget und haltet euch daran. Es ist leicht, sich von der Begeisterung mitreißen zu lassen und mehr auszugeben als geplant. Die Rennstrecke macht auch mit bescheidenem Equipment Spaß.

Fazit

Die Rennstrecke ist kein billiges Hobby, aber auch kein unbezahlbares. Wer clever plant und nicht jedem Trend hinterherläuft, kann mit einem mittleren Budget viel Spaß haben. Der größte Kostenfaktor sind nicht die einmaligen Anschaffungen, sondern die laufenden Kosten für Reifen, Verschleiß und Streckentage. Plant entsprechend und genießt die Rennstrecke, ohne euch finanziell zu ruinieren.


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