Mon, 15 Jan. 2024 Thomas Bendler ~ 4 min to read

Das Überholen auf der Rennstrecke ist eine Kunst für sich und unterscheidet sich fundamental vom Überholen auf der Straße. Während man auf der Straße einfach wartet bis die Gegenfahrbahn frei ist und dann vorbeizieht, ist auf der Rennstrecke deutlich mehr Strategie und Feingefühl gefragt. Schließlich fahren alle in dieselbe Richtung und das meist mit erheblichem Tempo.

Grundregeln beim Überholen

Die wichtigste Regel zuerst: Wer überholt, ist verantwortlich. Das bedeutet, der Überholende muss sicherstellen, dass das Manöver sicher durchgeführt werden kann. Der Vorausfahrende muss nicht aktiv Platz machen und sollte seine Linie nicht abrupt ändern um jemanden vorbeizulassen. Natürlich ist es höflich, langsamer Fahrern den Weg freizumachen, aber die Verantwortung liegt beim Überholenden.

Die zweite wichtige Regel: Überholen nur auf der Geraden oder am Kurveneingang. In der Kurve selbst oder am Kurvenausgang zu überholen ist gefährlich und führt häufig zu Kollisionen. Der Vorausfahrende erwartet an diesen Stellen niemanden neben sich und reagiert entsprechend überrascht wenn plötzlich jemand auftaucht.

Pro-Tipp: Bei Trackdays gilt in der Regel die Devise “Kein Körperkontakt”. Anders als im Rennsport, wo durchaus mal ein Ellbogen oder Knie zum Einsatz kommt, sollte man beim freien Fahren immer genug Abstand halten. Ein Sturz auf dem Trackday ist nicht nur ärgerlich, er ruiniert auch den Tag für alle Beteiligten.

Strategie zum Überholen

Der klassische Überholvorgang auf der Rennstrecke läuft folgendermaßen ab: Man fährt hinter dem Vorausfahrenden und beobachtet ihn. Wo ist er langsam? Wo macht er Fehler? Wo bremst er früher als nötig? Diese Informationen nutzt man dann für das Überholmanöver.

Die häufigste Überholmöglichkeit bietet sich in der Bremszone. Wer später bremsen kann oder härter bremsen kann, kann sich innen neben den Vorausfahrenden setzen. Dabei ist es wichtig, vor dem Einlenken auf gleicher Höhe oder leicht vor dem anderen Fahrer zu sein. Nur so kann man sicher sein, dass der andere einen auch sieht.

Eine weitere Möglichkeit ist das Überholen durch besseren Kurvenausgang. Wer die Kurve sauberer fährt und früher ans Gas gehen kann, zieht auf der folgenden Geraden am Vorausfahrenden vorbei. Das ist die sauberste und sicherste Methode, erfordert aber Geduld und fahrerisches Können.

Wo nicht überholen

Es gibt Stellen auf der Rennstrecke, an denen man definitiv nicht überholen sollte:

  • In der Kurvenmitte: Hier ist der Vorausfahrende voll damit beschäftigt, die Kurve zu fahren. Ein Überholmanöver an dieser Stelle überrascht ihn und führt oft zu gefährlichen Situationen.

  • Am Kurvenausgang: Der Vorausfahrende beschleunigt hier und konzentriert sich auf den Scheitelpunkt und die Ideallinie. Er schaut nicht in den Spiegel.

  • An unübersichtlichen Stellen: Kuppen, Senken oder blinde Kurven sind denkbar schlechte Orte für Überholmanöver.

  • Bei gelber Flagge: Wird die gelbe Flagge geschwenkt, herrscht absolutes Überholverbot. Hier muss man das Tempo reduzieren und besonders aufmerksam sein.

Überholt werden

Genauso wichtig wie das Überholen ist es, sich richtig überholen zu lassen. Wenn man bemerkt, dass jemand schneller ist und überholen möchte, sollte man seine Linie halten und berechenbar bleiben. Abrupte Richtungsänderungen oder panisches Bremsen sind gefährlich.

Auf vielen Trackdays gibt es die Regel, dass langsamere Fahrer auf der Geraden eine Hand heben um zu signalisieren, dass sie den Schnelleren vorbeiberlassen. Das ist eine nette Geste und macht das Überholen für alle Beteiligten entspannter.

Pro-Tipp: Nehmt es nicht persönlich wenn euch jemand überholt. Auf der Rennstrecke gibt es immer Schnellere und Langsamere. Das ist völlig normal und kein Grund sich zu ärgern oder zu verbissenen Überholversuchen hinreißen zu lassen.

Überholen bei Trackdays vs. Rennen

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Trackday kein Rennen ist. Bei Trackdays geht es darum, Spaß zu haben und sich zu verbessern, nicht darum, anderen zu zeigen wo der Hammer hängt. Entsprechend sollte man auch überholen: mit Ruhe, Geduld und Respekt vor den anderen Teilnehmern.

Im Rennen gelten andere Regeln. Hier darf es auch mal enger zugehen und die Fahrer sind mental auf Rad-an-Rad-Duelle eingestellt. Aber auch im Rennen gilt: Sauber überholen ist besser als sich und andere in Gefahr zu bringen.